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Wenn „niedlich“ Leid bedeutet

Wenn „niedlich“ Leid bedeutet

Französische Bulldoggen mit ihren platten Schnauzen. Dackel, die scherzhaft oft als „Wurst auf Beinen“ bezeichnet werden. Scottish-Fold-Katzen mit ihren niedlichen Faltohren. Oder auch Sphynx-Katzen in ihrem außergewöhnlichen, haarlosen Look.

Bestimmt hast du dir im ersten Moment gedacht: „Gott, sind die süß!“

Damit bist du absolut nicht allein. Doch hinter vielen dieser optischen Merkmale, die wir Menschen so niedlich finden, verbirgt sich eine traurige Realität, die viele schlichtweg nicht kennen.

Diese körperlichen Merkmale sind nämlich keine harmlosen Schönheitsfehler. Sie sind oft die direkte Ursache für chronische Schmerzen, schwere Krankheiten und eine massiv eingeschränkte Lebensqualität unserer geliebten Vierbeiner.

  • Die „niedlichen“ Faltohren der Scottish Fold: Diese Ohren sind nicht einfach nur charmant umgeknickt. Dahinter steckt ein schwerer Gendefekt, der nicht nur die Ohren betrifft, sondern systematisch den gesamten Knorpel und die Knochen im Körper angreift. Das traurige Ergebnis? Viele dieser Katzen entwickeln bereits in sehr jungen Jahren schmerzhafte Arthrose, leiden ihr Leben lang unter chronischen Schmerzen und können sich kaum noch beschwerdefrei bewegen.

  • Die sehr kurze Schnauze der französischen Bulldoggen oder Möpse hindert die Hunde schlichtweg daran, normal zu atmen. Ausgiebiges Toben, unbeschwertes Spielen oder ein ganz normaler, warmer Sommertag ohne Klimaanlage werden zur absoluten Zerreißprobe. Einfache, natürliche Bedürfnisse, die jedes Tier ausleben sollte, werden durch die reine Körperform blockiert.

  • Auch der Dackel ist davon betroffen.  Der stark verlängerte Körper in Kombination mit den kurzen Beinen belastet die Wirbelsäule extrem. Das Risiko für schmerzhafte Bandscheibenvorfälle ist hier um ein Vielfaches erhöht und kann im schlimmsten Fall zu dauerhaften Lähmungen führen.

Und leider gibt es noch viele weitere Rassen dieser Art.

In der Fachwelt spricht man bei dieser gezielten, künstlichen Übersteigerung bestimmter körperlicher Merkmale vom sogenannten Hypertyp – im deutschen Sprachraum treffend als Qualzucht bekannt. Hierbei wird das äußere Erscheinungsbild radikal über die Gesundheit und das Wohlbefinden des Tieres gestellt. 

Natürlich verdienen diese Tiere ganz genau so viel Liebe und Fürsorge wie jeder andere Hund und jede andere Katze auch. Sie tragen absolut keine Schuld an ihrem Aussehen oder an der Art und Weise, wie sie über Generationen hinweg vom Menschen gezüchtet wurden.

Das Problem sind niemals die Tiere selbst.

Das Problem ist, dass der Mensch diese Merkmale weiterhin bewusst und vorsätzlich züchtet, obwohl das damit verbundene Leid längst wissenschaftlich bewiesen ist.

Genau aus diesem Grund hat die Europäische Union im vergangenen Mai eine neue Verordnung verabschiedet. Diese verbietet es ausdrücklich, Tiere zu züchten, deren übersteigerte körperliche Merkmale die eigene Gesundheit gefährden. 

Ein riesiger Meilenstein für den Tierschutz, den wir gemeinsam mit zahlreichen Organisationen ausdrücklich begrüßen! 

Nun liegt es an den einzelnen Mitgliedstaaten, genau zu definieren, welche Rassemerkmale unter das Verbot fallen und wie schnell die Umsetzung erfolgt.

Frankreich hat beispielsweise bereits einen Gesetzesentwurf vorgelegt, um hier noch schneller und konsequenter durchzugreifen. Ähnlich wie Norwegen, wo die Zucht bestimmter, stark gefährdeter Rassen bereits komplett untersagt wurde.

Was du jetzt tun kannst

Bis die Gesetze flächendeckend greifen, kann jeder von uns im Alltag einen wertvollen Beitrag leisten:

  • Aufklärung teilen: Sprich im Freundes- und Bekanntenkreis über das Thema Qualzucht und schärfe das Bewusstsein für die gesundheitlichen Folgen.
  • Den Tierschutz unterstützen: Wenn ein neues Familienmitglied einziehen soll, ist der Gang ins Tierheim oder zu einer Tierschutzorganisation immer der beste Weg. Dort warten viele wunderbare Tiere auf eine zweite Chance.
  • Keine Nachfrage schaffen: Aus Liebe zu den Tieren sollten wir den Kauf bei Züchtern, die diese extremen Merkmale weiter forcieren, keinesfalls unterstützen.

Denn Tiere wirklich zu lieben bedeutet, unsere eigenen optischen Vorlieben hintenanzustellen und die Gesundheit, die Lebensfreude und das Wohlbefinden unserer Vierbeiner immer an die allererste Stelle zu setzen.


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