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Von Patagonien bis Bayern: Wie der Verlust der Artenvielfalt Viren den Weg ebnet

Von Patagonien bis Bayern: Wie der Verlust der Art...

Im ländlichen Bayern hat ein Nebenfluss der Donau die Hälfte seiner Wassermenge und einen Großteil seiner Tierwelt verloren. Das ist keine ökologische Randnotiz. Es handelt sich um denselben Prozess,  der weltweit in geschwächten Ökosystemen die Entstehung von Virenherden begünstigt und das Risiko für sogenannte „Spillover“, also das Überspringen von Viren auf den Menschen, massiv erhöht. 

Die von der Fondazione Capellino finanzierte Renaturierung des Gebiets der Großen Laber  durchgeführt von lokalen Naturschützern und freiwilligen Helfern – ist Teil einer Strategie, die biologischen Gleichgewichte wiederherzustellen, von denen letztlich auch unsere globale Gesundheitssicherheit abhängt. 

HondiusAm 2. Mai 2026 erhält die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Meldung aus dem Vereinigten Königreich: Auf einem Kreuzfahrtschiff mitten im Atlantik häufen sich Fälle von schwerer Atemnot.  Bei dem Virus handelt es sich um das Andes-Virus, eine Variante des Hantavirus, das bisher vor allem von Nagetieren aus Patagonien (im Süden von Argentinien und Chile) bekannt ist. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 38%.

Die Infektionskette begann wahrscheinlich bei einem Mann, der kurz zuvor Argentinien bereist hatte. Man geht davon aus, dass er sich dort mit dem Virus angesteckt hat, das normalerweise von wildlebenden Nagetieren übertragen wird. Wo genau dieser Kontakt stattfand, ist noch unklar. Ein möglicher Ort könnte eine Mülldeponie gewesen sein, die er zur Vogelbeobachtung besuchte. Er brachte den Erreger auf das Schiff, und es wird vermutet, dass sich die Infektion von dort aus durch engen Kontakt unter den Passagieren verbreitet hat.

Die Wildnis ist an Bord gekommen.

Diese Geschichte beginnt jedoch viel früher:  In einem gestörten Ökosystem können sich Nagetiere ungebremst vermehren, da ihre natürlichen Fressfeinde fehlen. Genau hier setzt die Fondazione Capellino an. Die Stiftung, die Alleineigentümerin von Almo Nature ist, sieht ihre Kernaufgabe darin, Projekte zur ökologischen Wiederherstellung zu finanzieren. Damit reagiert sie auf den direkten Zusammenhang zwischen dem Verlust der Artenvielfalt und globalen Gesundheitsrisiken. Ein konkretes Beispiel ist ihr Einsatz für einen bayerischen Zufluss der Donau, den die Stiftung seit 2023 unterstützt. 

Der Schutz der biologischen Vielfalt ist weit mehr als ein Akt des Mitleids mit unserer Natur. Er ist unser wichtigstes Abwehrsystem gegen Viren, die wir heute noch gar nicht kennen.

Das Hantavirus ist dabei ebenso wenig neu wie das Coronavirus. Beide zirkulieren schon seit Millionen von Jahren in der Tierwelt. Neu ist jedoch die Häufigkeit, mit der es seinen Weg zu uns findet.

In einer gesunden und artenreichen Natur greift ein Prinzip, das in der Wissenschaft als Verdünnungseffekt bekannt ist. Dabei verteilen sich Viren auf so viele verschiedene Tierarten, dass ein Sprung auf den Menschen äußerst unwahrscheinlich wird. Viele dieser Tiere wirken wie natürliche Bremsen, da sie die Übertragung von Krankheitserregern unterbrechen oder zumindest verlangsamen. Doch jedes Mal, wenn ein natürlicher Lebensraum in Ackerland oder eine Weide umgewandelt wird und Feuchtgebiete austrocknen, bricht dieser natürliche Schutz zusammen. In solchen gestörten Gebieten bleiben oft nur wenige, besonders anpassungsfähige Arten wie Nagetiere übrig. Da diese Tiere sehr unempfindlich gegenüber menschlichen Einflüssen sind, verkürzt sich der Weg vom tierischen Ursprung bis zum Menschen drastisch. 

Wie massiv dieser Effekt ist, belegte eine im Fachmagazin Nature veröffentlichte Studie aus dem Jahr 2020. Die Untersuchung von Tausenden Ökosystemen weltweit kam zu dem Schluss, dass der Anteil an virusübertragenden Arten in landwirtschaftlich geprägten Gebieten um bis zu 72 % höher ist als in unberührten Naturräumen 

Ein anschauliches Beispiel für diese Entwicklung findet sich direkt in Bayern an der Großen Laber. Der Fluss fließt über 120 Kilometer durch die bayerische Landschaft, vorbei an Maisfeldern und gepflegten Weiden, bevor er in die Donau mündet. Er wirkt auf den ersten Blick unspektakulär, doch an seinen Ufern zeigt sich die gleiche stille Zerstörung, die wir weltweit beobachten können. Weil die Natur dort der intensiven Landwirtschaft weichen musste, ist der Wasserstand um mehr als 50% gesunken. Zudem haben sich die Moore fast vollständig zurückgebildet. In der Folge verschwinden sensible Arten wie der Kiebitz, die Sumpfschnepfe, der Weißstorch und der Laubfrosch nach und nach. Übrig bleibt eine immer eintönigere Tierwelt, die ihre ursprüngliche Funktion als Filter zwischen der Wildnis und dem Menschen nicht mehr erfüllen kann. 

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Im Tal gibt es zwar drei spezielle Naturschutzgebiete, die sogenannten  FFH-Gebiete (Fauna Flora Habitat). Allerdings liegen diese Reservate isoliert voneinander und wirken wie einsame Inseln inmitten einer intensiv genutzten Agrarlandschaft. Die Tiere können kaum zwischen diesen Gebieten wandern, wodurch der notwendige Austausch zwischen den Populationen fehlt und das biologische Netzwerk immer instabiler wird.

Die Vernetzung dieser Lebensräume durch Wanderkorridore ist deshalb zu einem der wichtigsten Ziele im modernen Naturschutz geworden. Es ist notwendig, dass Tiere sich frei bewegen und verschiedene Bestände sich vermischen können, damit die biologische Vielfalt wieder zu ihrer alten Stärke zurückfindet. 

Jede Art, die aus einem bayerischen Fluss verschwindet, schwächt diesen natürlichen Schutzwall und verkürzt letztlich den Weg, den ein Virus bis zu uns Menschen zurücklegen muss. 

Genau hier setzt die Fondazione Capellino mit dem Projekt „Danube biodiversity corridor“ im Tal der Großen Laber an. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) wurde die Initiative zunächst auf 40 Kilometern gestartet und mittlerweile auf 90 Kilometer Flusslänge ausgeweitet. Das Projekt umfasst die Renaturierung von Wasserläufen sowie die gezielte Pflege der Uferbereiche, um dort wieder sichere Lebensräume für Vögel zu schaffen. Ein zentraler Bestandteil ist zudem die enge Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort. Wer auf synthetische Düngemittel verzichtet und die Bewirtschaftung der Felder auf die Brutzeiten und Bedürfnisse der Tierwelt abstimmt, profitiert von der Labertaler-Weiderind-Initiative. Dieses Gütesiegel verbindet eine naturnahe Weidehaltung direkt mit dem Schutz der heimischen Artenvielfalt und bietet den Bauern dadurch einen Vorteil am Markt.

Eine Analyse im Fachmagazin Lancet Planetary Health benennt vier Hauptgründe für das Entstehen neuer Viren, die vom Tier auf den Menschen überspringen können. Dazu gehören die Zerstörung von Lebensräumen, die Massentierhaltung, der Handel mit Wildtieren und der Klimawandel. Diese Faktoren sind an kein bestimmtes geografisches Gebiet gebunden. Sie spielen in den Wäldern des Kongobeckens eine Rolle, wo das HIV-Virus seinen Ursprung nahm, oder in der Wildnis Patagoniens. Doch die gleichen Mechanismen können jederzeit auch in Bayern wirksam werden. 

 

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Die Erfahrungen mit COVID-19 haben gezeigt, welche immensen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten (geschätzte 13,8 Billionen Dollar, laut Internationalem Währungsfonds) entstehen können, wenn das ökologische Gleichgewicht gestört wird. Der Vorfall mit dem Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff dient dabei als Beispiel dafür, wie eng die menschliche Gesundheit mit stabilen Lebensräumen verknüpft ist. Es ist eine Erinnerung daran, dass wir die Zusammenhänge in der Natur frühzeitig ernst nehmen sollten. 

Natürlich können die Projekte der Fondazione Capellino in Bayern die globalen ökologischen Herausforderungen nicht allein bewältigen. Um den Rückgang der Artenvielfalt weltweit aufzuhalten, sind umfassende politische und wirtschaftliche Veränderungen auf internationaler Ebene notwendig. Dennoch zeigt die Initiative, dass gezieltes privates Engagement wichtige Impulse setzen kann, um diese Entwicklung wieder umzukehren. Das Modell der Reintegration Economy macht genau das möglich. Gewinne werden nicht mehr nur aus der Natur entnommen, sondern fließen aktiv in die Wiederherstellung der Ökosysteme zurück. Dieser Ansatz hilft dabei, jene Kettenreaktionen zu unterbrechen, die Krankheitserreger aus fernen Regionen bis in unsere Krankenhäuser führen können.


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