Die Menschen in Deutschland bemerken das Schwinden der biologischen Vielfalt im eigenen Alltag und wünschen sich strengere Regeln sowie mehr Aufklärung. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage, die von der Fondazione Capellino beim Marktforschungsinstitut IPSOS in Auftrag gegeben wurde. Die repräsentative Studie wurde in neun europäischen und nordamerikanischen Ländern durchgeführt, darunter auch in Deutschland.
Ein weit verbreitetes Vorurteil besagt, dass sich die Bevölkerung kaum für Umweltthemen interessiert – oft gelten diese als trockene Nischenthemen oder reine Luxusprobleme. Doch wer nachfragt, erhält ein ganz anderes Bild. Das bestätigt nun auch die Untersuchung der Fondazione Capellino. Die Stiftung ist alleinige Eigentümerin der Premium-Tiernahrungsmarke Almo Nature und lässt deren Nettogewinne zu 100% in Projekte zum Schutz der Artenvielfalt fließen. Für die Studie wurden jeweils über tausend Personen im Alter von 18 bis 75 Jahren in Deutschland, Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich, die Niederlande, Belgien, die USA und Kanada befragt.
Das Wichtigste in Kürze:
- 85% der Deutschen sehen den Schutz der Artenvielfalt als klare Pflicht gegenüber kommenden Generationen.
- 68% haben bereits eine Verschlechterung der natürlichen Ökosysteme direkt vor der eigenen Haustür wahrgenommen.
- 67% fordern strengere Gesetze zum Schutz der Biodiversität, allerdings sieht nicht jeder darin eine akute, sofortige Dringlichkeit.
Große Sorge um die biologische Vielfalt in Deutschland
Im Rahmen der Umfrage wurden die Teilnehmenden gebeten, ihr Interesse am Thema Schwinden der Artenvielfalt auf einer Skala von eins bis zehn zu bewerten. Über 65% gaben eine Bewertung von über sechs ab, und mehr als 35% stimmten sogar mit Werten über acht ab. Damit landet Deutschland im internationalen Vergleich genau im Mittelfeld. Ein ganz ähnliches Bild zeigt sich bei der konkreten Besorgnis.
Besonders greifbar werden die Daten, wenn es um persönliche Erfahrungen geht: So haben beispielsweise bereits 68% der Deutschen einen deutlichen Rückgang von bestäubenden Insekten wie Schmetterlingen in ihrer Region festgestellt.
Wenn es um die größte Bedrohung geht, steht für die Deutschen der Klimawandel ganz oben auf der Sorgenliste, dicht gefolgt von der zunehmenden Müllproduktion und der Verschmutzung der Meere. Der Verlust der biologischen Vielfalt belegt in diesem Ranking Platz fünf von neun. Ein interessantes Detail: Deutschland sorgt sich im internationalen Vergleich am meisten um den ökologischen Zustand der Weltmeere.
Auch die Frage nach konkreten Maßnahmen wurde intensiv beleuchtet. Während sich 67% der Deutschen für strengere Regeln aussprechen, wünschen sich 65% mehr öffentliche Gelder für den Naturschutz. Für die Mehrheit steht dabei fest: Vor allem die Politik ist jetzt in der Pflicht.
Zudem wünschen sich rund 50% eine stärkere Berichterstattung in den Medien. Der Konsens liegt jedoch woanders: Für ganze 85% der Deutschen ist die Artenvielfalt ein kostbares Erbe, das wir unbedingt für zukünftige Generationen bewahren müssen.
Der internationale Vergleich: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Die deutschen Ergebnisse passen ins Gesamtbild der internationalen Studie. Insgesamt zeigen sich die Mittelmeerländer am stärksten besorgt über das Schwinden der Artenvielfalt, während Nordeuropa und Nordamerika das Thema etwas gelassener sehen. Der Klimawandel bleibt länderübergreifend die Sorge Nummer eins. Allerdings rücken Großbritannien und die Niederlande die Biodiversität besonders stark ins Zentrum – ein Begriff, den die Menschen in allen Befragungsländern vor allem mit intakten und vielfältigen Ökosystemen verbinden.
Länderübergreifend wünscht sich die Hälfte der Befragten mehr Präsenz des Themas in den Medien. Sechs von zehn Menschen beobachten den Rückgang der Natur in ihrer eigenen Region, und ebenso viele sind überzeugt, dass sich Landwirtschaft und Artenschutz erfolgreich vereinbaren lassen. Sieben von zehn Befragten fordern zudem mehr staatliche Investitionen in den Umweltschutz. Es gibt aber auch überraschende Gegenbewegungen: Bisher sieht nur rund ein Drittel der Befragten einen akuten Handlungsbedarf, und ebenso wenige sprechen sich bedingungslos gegen den Einsatz von Pestiziden aus.
Das zeigt: Obwohl das Thema präsent ist, ist die dramatische Dringlichkeit des Artensterbens im Alltag noch nicht bei jedem voll angekommen. Trotz dieser Einschränkung bleibt die Kernbotschaft unmissverständlich: Die Menschen in Deutschland (und weit über die Landesgrenzen hinaus) sind besorgt über den Verlust der biologischen Vielfalt und wollen Taten sehen, um diesen Trend zu stoppen.
Die vollständigen Ergebnisse der IPSOS-Studie kannst du hier nachlesen (nur auf Italienisch verfügbar).