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Eine Million Unterschriften können dazu beitragen, Europa zu verändern

Geschrieben von Admin | 07.09.2026, 05:00:00

Es gibt ein Werkzeug, das kaum jemand kennt, mit dem EU-Bürgerinnen und EU-Bürger ein Thema direkt auf den Tisch der Europäischen Kommission bringen können und eine offizielle Antwort erhalten. Dieses nennt sich "Europäische Bürgerinitiative" (kurz EBI) und ist seit 2012 die erste Form grenzüberschreitender direkter Demokratie weltweit.

Das Wichtigste auf einen Blick 

  • Eine EBI ermöglicht es EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern, die Europäische Kommission zum Handeln bei wichtigen Zukunftsthemen zu bewegen und eine offizielle Stellungnahme zu bewirken. 
  • Das Ziel: Innerhalb von zwölf Monaten eine Million Unterschriften zu sammeln, wobei in mindestens sieben Ländern eine Mindestquote erreicht werden muss.
  • Die Initiative:  „Nature Has No Borders“,  ins Leben gerufen von der Fondazione Capellino, fordert einen europäischen Rahmen zur Stärkung der ökologischen Vernetzung von Landflächen und Binnengewässern. 
  • Der Zeitplan: Die Unterschriftensammlung läuft vom 15. Oktober 2026 bis zum 14. Oktober 2027
  • Parallel stellt die Fondazione Capellino 4 Millionen Euro für Projekte bereit, die zerschnittene Ökosysteme wieder miteinander verbinden. 

Wie funktioniert eine EBI?

Alles beginnt mit sieben engagierten Personen aus sieben verschiedenen EU-Staaten, die als Bürgerkomitee die Registrierung bei der Kommission beantragen. Die Voraussetzungen sind überschaubar: Die Initiative muss die Werte der Europäischen Union achten und ein Thema betreffen, bei dem Brüssel die rechtliche Befugnis hat, Gesetze zu erlassen.

Erhält die Initiative grünes Licht, beginnt der anspruchsvolle Teil: Innerhalb von zwölf Monaten müssen eine Million Unterschriften gesammelt werden – inklusive der jeweiligen Mindestquoten in mindestens sieben Ländern (diese richten sich nach der Zahl der EU-Abgeordneten des jeweiligen Landes). Unterschrieben wird ganz einfach digital auf dem offiziellen EU-Portal oder auf Papierformularen. Stimmberechtigt ist jede Person, die an den Europawahlen teilnehmen darf: in Deutschland, Österreich, Belgien und Malta bereits ab 16 Jahren, in den restlichen Länder Europas meist ab 18 Jahren. 

Nach Ablauf der Frist prüfen die nationalen Behörden die Stimmen. Bei Erfolg stellt das Komitee sein Anliegen persönlich der Kommission vor und bekommt Gehör im EU-Parlament, das über eine Resolution debattieren und abstimmen kann. Innerhalb von sechs Monaten legt die EU-Kommission schließlich in allen Amtssprachen der Union dar, welche konkreten Schritte sie umsetzen möchte. So wird transparent und nachvollziehbar, wie Europa bei wichtigen Zukunftsfragen vorangeht. 

Selbst wenn die Kommission beschließt, keine Maßnahmen zu ergreifen, muss sie diese Entscheidung öffentlich  begründen!

„Nature Has No Borders“:

Die Natur kennt keine Grenzen

Ein Luchs, der durch die bayerischen Alpen streift, oder ein Fluss, der ins Flachland fließt,  machen an Landesgrenzen nicht halt. In der Praxis stoßen Schutzmaßnahmen und ihre politische Umsetzung jedoch immer wieder an nationale Grenzen. Hinzu kommt: Europa gehört zu den am dichtesten besiedelten und am stärksten durch Infrastruktur geprägten Kontinenten der Erde. Unzählige Straßen, Schienen, Städte und Gewerbegebiete trennen wertvolle Lebensräume und rauben Europas Natur die Lebenskraft. Dieses enge Netz hat Ökosysteme in isolierte Inseln verwandelt, auf denen das Weiterkommen für viele Arten extrem schwierig oder vollkommen unmöglich geworden ist. 

Weder ein Luchs beim Überqueren der Alpen noch ein Fluss, der in die Ebene fließt, halten sich an nationale Grenzen. Die Regeln zu ihrem Schutz enden in der Praxis jedoch häufig genau dort. 

Dass wertvolle Lebensräume so voneinander getrennt werden, trifft aber nicht nur die Tierwelt, sondern am Ende auch uns Menschen. Wir profitieren täglich von ihren Wegen: Insekten bestäuben unsere Obstwiesen, während Vögel und Säugetiere Samen verbreiten und so die Wälder regenerieren, von denen unser Trinkwasser und der Boden, der uns ernährt, abhängen. Das sind unbezahlbare Dienstleistungen der Natur, die wir als selbstverständlich ansehen und oft erst schätzen, wenn sie fehlen.

Zwar gibt es auf EU-Ebene bereits wichtige rechtliche Grundlagen und Schutzrichtlinien (wie das EU-Renaturierungsgesetz oder die FFH-Richtlinie), doch die Umsetzung erfolgt in der Praxis oft noch in isolierten Bereichen. Was fehlt, ist ein verbindlicher, übergreifender Rahmen, der die ökologische Vernetzung von Landökosystemen und Binnengewässern grenzüberschreitend sichert und das bestehende Schutzgebietsnetz Natura 2000 gezielt stärkt. Genau das fordert Nature Has No Borders",  die von der Fondazione Capellino initiierte EBI.

Die Unterschriftensammlung startet am 15. Oktober 2026 und läuft bis zum 14. Oktober 2027. Der Schwerpunkt der Kampagne liegt auf neun Ländern (Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Belgien, den Niederlanden, Finnland und Malta) – unterschreiben kann jedoch jede Person, die in einem der 27 EU-Staaten wahlberechtigt ist.

Parallel dazu hat die Fondazione Capellino bereits einen Förderaufruf über 4 Millionen Euro gestartet, um konkrete Projekte zur Wiederherstellung ökologischer Korridore zu finanzieren. Das Besondere daran: Bei der Auswahl der geförderten Initiativen können Bürgerinnen und Bürger aktiv mitentscheiden.

Zwei Aktionen, ein gemeinsamer Hebel: Die Förderprojekte zeigen vor Ort, dass die Wiedervernetzung von Lebensräumen in der Praxis gelingt. Die Bürgerinitiative fordert von der EU, diesen Ansatz europaweit zum Standard zu machen. 

Bewirken Europäische Bürgerinitiativen wirklich etwas? 

Die jüngste Geschichte zeigt: Ja. Zumindest teilweise.

Ein Blick auf bisherige Initiativen verdeutlicht das:

  • Right2Water: führte zu einer Überarbeitung der EU-Trinkwasserrichtlinie für strengere Qualitätsstandards und besseren Zugang zu öffentlichem Trinkwasser.
  • End the Cage Age: erreichte mit 1,4 Millionen geprüften Unterschriften aus 18 Staaten die Zusage der Kommission, den Ausstieg aus der Käfighaltung in der Landwirtschaft voranzutreiben.
  • Ban Glyphosate: setzte zwar kein vollständiges Verbot durch, erzwang aber die vollständige Offenlegung aller wissenschaftlichen Sicherheitsstudien bei den europäischen Behörden.

Selbst wenn eine Initiative ihr Ziel nicht auf Anhieb zu 100 Prozent erreicht, rückt sie dringende Themen direkt ins Scheinwerferlicht der europäischen Politik.

So setzt du ab dem 15. Oktober ein Zeichen 

Es dauert nur ca. 2 Minuten. Du gehst auf das Portal der Europäischen Kommission, wählst dein Land aus und gibst deine Adresse sowie dein Geburtsdatum ein. Diese Angaben dienen ausschließlich dazu, deine Wahlberechtigung zu bestätigen, und werden nach Verfahrensende vollständig gelöscht. Den Link zum Portal findest du ab dem 15.10.2026 direkt auf unserer Website. 

Am 15. Oktober geht Nature Has No Borders" an den Start: Genau ein Jahr bleibt, um die eine Million Unterschriften zu sammeln.  Für uns in der EU ist das eine der direktesten Chancen, die Zukunft unseres gemeinsamen Kontinents aktiv mitzugestalten.