In diesem Moment bringt irgendwo im Ozean ein Männchen Nachwuchs zur Welt. Es ist ein Seepferdchen: Er trägt den Nachwuchs aus, versorgt die Kleinen in seiner Bauchtasche und lässt sie schließlich ins Freie, während das Weibchen bereits wieder neue Eier produziert.
Klingt das seltsam? In der Natur ist es ganz normal.
Flora und Sungai, zwei Komodowaran-Weibchen, zum Beispiel haben Eier gelegt, aus denen Nachwuchs schlüpfte, ohne dass sie jemals einem Männchen begegnet sind. Komodowarane können sich nämlich auch ganz ohne Partner fortpflanzen (Parthenogenese).
Oder nehmen wir den Argonautenkrake: Das Männchen trennt seinen eigenen Fortpflanzungsarm ab, übergibt ihn dem Weibchen und stirbt. Sie bewahrt ihn auf und nutzt ihn erst viel später, um ihre Eier zu befruchten.
Die Evolution hat Lebewesen hervorgebracht, die in Unterwasservulkanen gedeihen oder im Permafrost überdauern. Es gibt Tiere, die ihr Geschlecht wechseln, Pflanzen, die ganz ohne Bestäuber auskommen, und Pilze, die unterirdische Kommunikationsnetze über Kilometer hinweg spannen.
Wann immer wir glauben, die Grenzen des biologisch Möglichen entdeckt zu haben, hat die Natur sie längst überschritten. Sie beweist uns jeden Tag: Vielfalt ist keine Ausnahme vom System. Sie ist das System. Und genau diese Vielfalt garantiert unsere Zukunft.
Diese biologische Vielfalt ist das stabilste Sicherungssystem der Welt. Sie hat über Zeiträume hinweg Bestand, die weit über alles hinausgehen, was wir Menschen jemals planen könnten.
Das ist der Grund, warum es die Fondazione Capellino gibt und warum sämtliche Gewinne von Almo Nature konsequent in konkrete Schutzprojekte reinvestiert werden. Wir nennen das Reintegration Economy: Den ökologischen Fußabdruck, den die Ernährung unserer Tiere hinterlässt, wandeln wir in eine direkte Rückgabe an die biologische Vielfalt um. Eine Vielfalt, die sich jeden Tag als noch komplexer erweist, als wir es je für möglich gehalten hätten.
Auch das Sozialleben der Tiere ist weitaus reicher und fluider, als wir es lange wahrhaben wollten.
Wir beobachten gleichgeschlechtliche Paare, die gemeinsam Junge aufziehen, und matriarchale Strukturen, aber auch Strategien, die uns grausam erscheinen mögen. Löwenmännchen, die ein neues Rudel erobern, töten mitunter den Nachwuchs ihrer Vorgänger. Der Kuckuck wiederum lässt sein Ei von einer fremden Art ausbrüten; das Kuckucksküken wirft die anderen Eier aus dem Nest, während die Wirtseltern es ahnungslos weiter füttern. So brutal uns das vorkommt: Es sind Überlebensstrategien, die sich über Millionen von Jahren bewährt haben.
Die biologischen Besonderheiten und Verhaltensweisen, die im letzten Jahrhundert oft als bloße Randnotizen abgetan wurden, sind vielleicht genau die Reserven, die es der Natur ermöglichen, auf die unbekannten Herausforderungen der Zukunft zu reagieren.
Der Physiker Carlo Rovelli schrieb: „An den Grenzen unseres Wissens, dort, wo wir auf den Ozean des Unbekannten treffen, leuchten das Geheimnis und die Schönheit der Welt auf, und lassen uns atemlos zurück“.
Die Fondazione Capellino existiert, um diesen „Ozean“ lebendig zu halten. Mit jedem Projekt und für jedes einzelne Lebewesen, dem wir den Raum zurückgeben, um sich frei zu entfalten.
Und es sind all jene, die Almo Nature wählen, die dies erst möglich machen.