Florenz
Klimawandel
Das Projekt fördert städtische Aufforstungsmaßnahmen auf wissenschaftlicher Grundlage, um den Auswirkungen des Klimas entgegenzuwirken, die Lebensqualität zu verbessern und die Biodiversität in Florenz wiederherzustellen.
Ziel
Die Städte sind von den Auswirkungen des Klimawandels besonders betroffen: Beton- und Asphaltflächen heizen sich auf, und die Wärme wird zwischen den Gebäuden eingeschlossen; Regenwasser kann nicht in den Boden eindringen, der undurchlässig gemacht wurde; die Artenvielfalt ist durch die Anthropisierung fast völlig verschwunden. Dies führt zu einer Verringerung der Lebensqualität und behindert die Einbeziehung von städtischem Grün, das die Auswirkungen des Klimawandels abmildern könnte.
Allzu oft werden improvisierte städtische Aufforstungsprogramme als Slogans verwendet. Stattdessen sollten diese Kampagnen wissenschaftlich fundiert sein und auch die neuen Technologien nutzen: die richtigen Bäume unter den richtigen Bedingungen und mit der richtigen Pflege zu pflanzen und vor allem ihre umfassende Wirkung zu messen.
Projekt
Im Januar 2023 startete das ehrgeizige Versuchsprojekt der Capellino-Stiftung mit dem Ziel, naturbasierte Lösungen zu entwerfen, umzusetzen und zu messen, um die Auswirkungen des Klimawandels in den Städten abzumildern, die städtische Biodiversität zu fördern und die Gesundheit der Bürger zu verbessern. Im Februar 2024 wurde es von der lokalen Regierung offiziell anerkannt.
Die Umsetzung des Stiftungsprojekts wurde im Einvernehmen mit der Stadt Florenz, mit der ein Vereinbarungsprotokoll unterzeichnet wurde, einem Expertenpool anvertraut: Die wissenschaftliche Leitung liegt beim CNR, die Universität Florenz ist für den ökophysiologischen Teil zuständig, und weitere Experten und Fachleute für Botanik, Biodiversität, Oberflächentechnik und Architektur werden von Prof. Alberto Giuntoli koordiniert.
Die globale Erwärmung ist eine der großen Herausforderungen des neuen Jahrtausends, und der Mensch ist nicht der einzige, der unter den Folgen dieser Veränderungen zu leiden hat. Das Konzept der intelligenten Stadt ist auf einen Kontext beschränkt, der die Natur nur am Rande berücksichtigt und dem Menschen untergeordnet ist. Aus diesem Grund bezieht das Projekt in Florenz auch ein Naturgebiet in die Gleichung mit ein: Das Gebiet Giogo-Casaglia in den florentinischen Apenninen wird mit der Stadt im historischen Mugello-Gebiet eine Partnerschaft eingehen, mit dem Ziel, ein Gebiet mit integriertem Schutz zu erhalten, das die in der Stadt durchgeführten Studien, Schadensbegrenzungs- und Überwachungsmaßnahmen ergänzt.
Städtepartnerschaft mit dem Naturraum
Das in Florenz vorgeschlagene Modell unterscheidet sich daher deutlich von den bisher umgesetzten Modellen, sowohl was die Städtepartnerschaft mit dem Naturraumbetrifft, die auch in Richtung der Agenda 2030 geht, als auch was die multivariable wissenschaftliche Ex-ante- und Ex-post-Überwachung der Eingriffe, einschließlich der biologischen Vielfalt, betrifft.
Es ist das erste Mal, dass eine Stadt eine Partnerschaft mit einem Naturgebiet eingeht, und das ist kein Zufall: Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in unserer Beziehung zur Natur. Der große Biologe Edward O. Wilson stellte in einem seiner letzten Werke die Hypothese auf, die Hälfte des Planeten von der Natur unberührt zu lassen: dies ist eine revolutionäre Sichtweise auf die Auswirkungen des Menschen auf andere Lebewesen. Städtische Gebiete, Kulturpflanzen und alle vom Menschen geschaffenen Bereiche sollten von der Wildnis getrennt bleiben, um ihre Auswirkungen zu minimieren. Der gesamte Rest des Planeten könnte so der Schaffung eines riesigen Schutzgebiets gewidmet werden, das in all seinen Teilen miteinander verbunden ist und so ökologische Korridore ermöglicht, die seinen Fortbestand garantieren.
Die charakteristischen Elemente unserer Intervention sind
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wissenschaftlicher Ansatz in allen Phasen, vom Studiendesign bis zur Modellierung, Umsetzung und Überwachung;
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mehrdimensionaler Ansatz: nicht nur auf die CO2-Speicherung konzentriert, sondern auf die 360°-Auswirkungen auf Luft, Wasser, Boden und biologische Vielfalt unter Berücksichtigung der kombinierten Wirkung mehrerer Variablen;
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experimentelle Feldüberprüfung durch Messungen der Auswirkungen der Anomalien in den 10 Pilotgebieten und in einem Freiluftlaborbereich, mit Ex-ante- und Ex-post-Überprüfungen, um die tatsächliche Wirksamkeit der Maßnahmen zu ermitteln;
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Schwerpunkt auf der Messung der städtischen biologischen Vielfalt und der Anwendung einschlägiger Indikatoren in der Praxis;
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Partnerschaft mit einem großen Naturgebiet in der Nachbarschaft, das restriktiver und integraler verwaltet wird.
Firenze Climate Change
Die wichtigsten Fortschritte des Projekts „Klimawandel und Biodiversität in Florenz“ von 2023 bis heute. Nutzen Sie die Pfeile oder die Leiste unten zur Navigation.
Planungsauftakt für die ersten städtischen Umsetzungsgebiete
Im ersten Quartal 2026 startet die Detailplanung für die ersten Umsetzungsgebiete, wobei der Schwerpunkt auf der Piazza dei Giudici und der Via della Mattonaia liegt; parallel dazu schreiten die technischen Ausarbeitungen für Tanini voran. Die Aktivitäten verknüpfen Landschaftsplanung, wissenschaftliche Datenerhebungen und Ex-Ante-Simulationen (vorausschauende Modellierungen), um theoretische Forschungsergebnisse gezielt in konkrete städtebauliche Maßnahmen zu überführen.
Vollendung des Messnetzes in allen zehn Projektbereichen
Anfang 2026 wird die Installation von fünf weiteren AirQino-Stationen — hochpräzisen Sensoreinheiten zur Erfassung von Umweltdaten — in den im Vorjahr festgelegten Gebieten abgeschlossen. Mit der Bestückung der Standorte Piazza Giudici, Via della Mattonaia, Via Tanini, Piazza Istria und Piazza San Pancrazio wird das Monitoring von Mikroklima und Luftqualität auf alle zehn städtischen Projektbereiche ausgeweitet.
Konsolidierung des Gesamtbildes für alle zehn städtischen Projektbereiche
Ende 2025 wird die ganzheitliche Bestandsaufnahme für die zehn Projektbereiche — Artom, Ferraris, Guidoni, Bartali, Zucchi, Giudici, Mattonaia, Tanini, Istria und San Pancrazio — zusammengeführt und konsolidiert. Für jedes dieser Gebiete wird der aktuelle Status des Monitorings detailliert aufbereitet. Ein zentrales Element bildet dabei der Ex-ante/Ex-post-Vergleich: Hierbei werden die im Vorfeld simulierten Prognosen (ex-ante) den tatsächlich gemessenen Daten nach der Umsetzung (ex-post) gegenübergestellt, um die Wirksamkeit der Projekte zu bewerten. Auf dieser Grundlage werden die passendsten Interventionshypothesen erarbeitet - also wissenschaftlich begründete Entwürfe für bauliche oder ökologische Maßnahmen -, die exakt auf die lokalen Merkmale und spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Standorte zugeschnitten sind.
Vorbereitung der erweiterten Monitoring-Kampagne 2026
Die technische Planung bereitet derzeit den Übergang zu den neuen Projektbereichen vor. Das erweiterte Untersuchungsprogramm umfasst ein Monitoring mit AudioMoth-Sensoren (akustische Geräte zur Aufzeichnung von Fledermausrufen) sowie den Einsatz von Wildkameras zur Erfassung von Kleinsäugern. Von März bis Oktober werden zudem die Aktivitäten von Bestäuberinsekten dokumentiert. Für die klimatische Analyse kommen Wärmebildkameras und Albedometer zum Einsatz - dies sind Instrumente, die messen, wie stark Oberflächen das Sonnenlicht reflektieren, was für die Untersuchung der städtischen Hitzeentwicklung entscheidend ist. Parallel dazu beginnt die Messung von Mikroklima und Luftqualität in jenen Gebieten, die bisher noch nicht durch AirQino-Stationen abgedeckt sind.
Simulationen und Interventionsszenarien für den urbanen Raum
Die technische Ausarbeitung verknüpft die erhobenen Daten mit Simulationen und Planungsszenarien. Die Analysen dienen dazu, den erwarteten Nutzen verschiedener Maßnahmen für die städtische Biodiversität abzuschätzen. Hierzu zählen Baumpflanzungen, begrünten Flächen, hochreflektierende Bodenbeläge, Entwässerungslösungen, Regengärten, Versickerungsmulden (Bioswales), Beschattungssysteme, sowie Mikrohabitate.
Definition naturbasierter Lösungen und grün-blauer Experimente
Für die verschiedenen Teilbereiche werden Interventionsansätze identifiziert, die Grünstrukturen, Wasser und Materialien kombinieren. Das Spektrum reicht dabei von der Integration von Bäumen, Beeten und Spontanvegetation über die Nutzung von wasserdurchlässigen Flächen bis hin zu Bodenbelägen mit hohem Albedo-Wert zur Verbesserung des Rückstrahlvermögens. Ergänzt werden die Konzepte durch begrünte Pergolen und Rankgerüste mit Blütenpflanzen sowie Regengärten und Systeme zur Regenwasserbewirtschaftung.
Ausweitung des Monitorings auf Fauna und Umweltqualität
Die ersten bereits ausgestatteten Projektflächen treten in eine vertiefte Monitoringphase ein. Diese umfasst die Erfassung von Bestäubern, Kleinsäugern und Fledermäusen sowie die Analyse des Mikroklimas und der Luftqualität. Bei der Luftqualität werden Parameter wie Kohlenstoffdioxid (CO₂), Stickstoffdioxid (NO₂), Ozon (O₃) sowie Feinstaub (PM10 und PM2.5) kontinuierlich überwacht. Zur Beobachtung der tierischen Artenvielfalt kommen spezialisierte Instrumente wie Wildkameras und AudioMoth-Recorder zum Einsatz
Stärkung des wissenschaftlichen Rahmens und der Indikatoren
Im dritten Projektjahr werden die Indikatoren konsolidiert, die zur Bewertung der Gebietsentwicklung herangezogen werden. Das Monitoring umfasst die tierische und pflanzliche Artenvielfalt (Biodiversität), die Pflanzengesundheit, Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit sowie die Luftqualität. Darüber hinaus werden die Oberflächentemperatur, die Landbedeckung, der Albedo-Wert und die Beschattungsverhältnisse systematisch erfasst.
Installation der ersten AirQino-Messstationen
Im Jahr 2024 werden in den ersten fünf Untersuchungsgebieten oder aus technischen und logistischen Gründen in deren unmittelbarer Umgebung AirQino-Stationen installiert: Piazza Artom, Viale Guidoni, Giardini Zucchi, Piazza Galileo Ferraris und Piazza Gino Bartali. Mit diesen Stationen beginnt das meteorologische und klimatische Monitoring sowie die kontinuierliche Messung der Luftqualität in den ausgewählten Pilotbereichen.
Aktualisierung des Projekt-WebGIS
Die im Rahmen des Monitorings erhobenen Daten werden in das WebGIS integriert, das direkt mit der Indikatorendatenbank verknüpft ist. Damit entwickelt sich die Plattform zu einem zentralen operativen Instrument, um Informationen zu Oberflächenbeschaffenheit, Mikroklima, Vegetation, Umweltqualität und urbanen Merkmalen zu visualisieren und gezielt abzurufen.
Erstellung digitaler Stadtmodelle
Die LiDAR-Vermessungen werden mit Open-Data-Datensätzen der Stadt Florenz verknüpft, um detaillierte digitale Modelle von Gelände, Gebäuden und Vegetation zu erstellen. Aus diesen Datensätzen werden Indikatoren wie der Sky View Factor (Himmelsichtfaktor) und Verschattungsmuster abgeleitet. Diese Parameter sind entscheidend für die Analyse der Sonneneinstrahlung und bilden die Grundlage für präzise und fundierte Planungsentscheidungen.
Beginn des Vegetationsmonitorings in den ersten fünf Gebieten
Von Juni bis Oktober 2024 erfolgt eine monatliche Blatt-Probenahme an den charakteristischen Pflanzenarten der ersten fünf Untersuchungsgebiete: Spierstrauch, Kirschlorbeer, Photinia (Glanzmispel) und Steineiche. Ziel ist es, den Wasserhaushalt der Pflanzen über den relativen Wassergehalt zu bestimmen. Die daraus gewonnenen Daten dienen als fundierte Grundlage für künftige Entscheidungen bei der Pflanzwahl und der gestalterischen Planung.
Ausweitung der Methodik auf die ersten fünf städtischen Gebiete
Im zweiten Projektjahr geht die Arbeit von der Laborphase zur praktischen Anwendung in den ersten fünf „Elementaren Urbanen Typologien“ (Elementary Urban Typologies) über: Piazza Artom, Viale Guidoni, Via Zucchi, Piazza Galileo Ferraris und Piazza Gino Bartali. Diese Standorte fungieren als erste städtische Fallstudien, an denen das Monitoring, die Charakterisierung der Oberflächen sowie Simulationen verschiedener Maßnahmenszenarien durchgeführt werden.
Erste ökophysiologische Analysen der Vegetation
Die 2023 an Straucharten im Laborbereich erhobenen ökophysiologischen Daten dienen als Referenzbasis für die Bewertung des Gesundheitszustands der städtischen Vegetation sowie der Reaktion der Pflanzen auf Klimastress. Diese Arbeiten bilden die Grundlage für die Analysen des Jahres 2024 und fließen unmittelbar in die Vorbereitung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ein.
Beginn des Monitorings der städtischen Biodiversität
Im Zeitraum 2023 bis 2024 beginnt das Monitoring der urbanen Fauna. Hierzu werden 14 Wildkameras eingesetzt, die über das Stadtgebiet von Florenz in verschiedenen lokalen Klimazonen (Local Climate Zones) verteilt sind. Parallel dazu startet die Erfassung von Bestäubern im Überwachungsbereich, auf der Piazza Artom sowie in angrenzenden Gebieten. Dabei kommen Farbschalen (Pan Traps) und künstliche Nisthilfen (Trap Nests) zum Einsatz.
Aufbau der Umwelt- und Stadtdatenbasis
Im ersten Jahr beginnen die Aktivitäten zur Erhebung und Aufbereitung der Daten, die für die Beschreibung des Referenzzustands des Gebiets erforderlich sind. Erfasst werden geomorphologische, vegetationsbezogene, meteorologische sowie ökologische Merkmale. Diese Phase dient der Etablierung einer Ex-ante-Referenzbasis (Baseline), an der die Wirksamkeit künftiger Maßnahmen gemessen und evaluiert wird.
Auftakt des Florenz-Projekts
Das Forschungs- und Umsetzungsprojekt „Florence: Climate Change and Biodiversity“ ist gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines naturbasierten Stadtmodells, um die Folgen des Klimawandels zu mildern, die urbane Biodiversität zu fördern und die Resilienz und Qualität städtischer Räume zu verbessern. Die Projektstruktur basiert auf zwei zentralen Säulen: der Identifizierung von zehn repräsentativen städtischen Typologien sowie der Einrichtung eines Freiluftlabors (Open-Air-Labor) entlang des Arno. Dort sollen skalierbare Lösungen getestet und wissenschaftlich begleitet werden, die sich auf andere urbane Kontexte übertragen lassen.
DAUER
2023-2027: Studie, Durchführung und wissenschaftliche Begleitung
2028-2032: Wissenschaftliche Begleitung
UNSERE INVESTITIONEN
€ 3.000.000,00
(2023-2027)
€ 1.500.000,00
(2028-2032)